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Das Kochtalent liegt in der Familie

Die Leinwand von Melanie Rodel (31) ist die nackte Haut. Die Bernerin bemalt Körper genauso experimentierfreudig, wie sie in der Küche gerne Neues probiert.

Es riecht nach Farbe, in den Regalen stehen unzählige Tuben, bunte Flaschen und ein Airbrush-Set, das so ähnlich auch in einer Autogarage stehen könnte. Wir befinden uns aber bei Melanie Rodel, die in ihrem Atelier weder Autos noch Leinwände bemalt. Die «Leinwände» der 31-Jährigen sind Körper. Als Bodypainterin kreiert sie vergängliche Kunstwerke. Fürs Kochen bleibt zwischendrin kaum Zeit, und so hat sie in ihrem Atelier auch nur ein Mikrowellengerät. «Zum Kochen fahren wir in meine Wohnung», sagt Rodel. «Saisonküche»-Koch Daniel Tinembart ist erleichtert, denn die Fischpäckli benötigen unbedingt einen Ofen.

Doch vorher demonstriert die Bodypainterin an einer Schaufensterpuppe, wie sie arbeitet. Wie kommt man zu so einem Beruf? «Ich habe in kein Schema gepasst, wusste lange nicht, was ich beruflich machen möchte», erzählt Melanie Rodel. Durch einen Freund kam sie zur Artistik, tingelte mit ihm durch Europa und trat im Zirkus auf. Fantasievoll geschminkt wurde dort schon immer, Melanie Rodel faszinierten die kreativen Möglichkeiten. Nachdem sie einer Kollegin mit Fantasie und Farbe zu einem schönen Decolleté verholfen hatte, bekam sie immer mehr Aufträge. Bei etablierten Bodypaintern schaute sie zu, holte sich Tipps, ging auf Bodypaintingfestivals und malte viel selbst: «Da geisch mau ga probierä», sagt die Bernerin und lächelt verschmitzt. Sie liebt es, Körper zu bemalen, aber auch die Vergänglichkeit ihrer Kunstwerke, die nur bis zur nächsten Dusche halten. Auch die Verwandlung des Menschen interessiert sie: «Wenn das Bild entsteht, werden die Menschen langsam immer selbstsicherer, obwohl sie halb nackt sind. Ich präsentiere sie von einer ganz anderen Seite.» Konzentriert demonstriert Rodel für uns die Arbeit mit Schwämmen, Pinseln und dem Airbrush.

«Saisonküche»-Koch Daniel Tinembart zeigt, wie man Backpapier am besten faltet, damit kein Dampf entweicht. Sein Tipp: Mit Büroklammern gehen die Päckli nicht auf.

Damit wir noch rechtzeitig zum Mittagessen kommen, wechseln wir in die Berner Wohnung von Melanie Rodel. Daniel Tinembart fängt an, das Gemüse zu rüsten und bekommt Unterstützung von der Bodypainterin, die leidenschaftlich gern kocht. «Gerichte sind ähnlich vergängliche Kunstwerke», scherzt sie. Ein Kochen liegt zudem in der Familie Rodel: Ihr Bruder Alan (31) ist Chefkoch im Restaurant Büner in Bern. So aufwendig wie ihr Bruder kocht Rodel zwar nicht, dafür aber täglich. «Ich mache gern grünes Thai-Curry», verrät sie.

«Einfach machen» ist ihre Devise in der Küche wie im Atelier.

Mit Leidenschaft an die Weltspitze der Bodypainter

Melanie Rodel verschweigt dabei bescheiden, dass es auch eine gehörige Portion Talent war, die sie im Bodypainting schnell an die Weltspitze brachte. 2011 gewann sie mit ihrer österreichischen Teamkollegin Birgit Mörtl (33) den World Award in der Kategorie Special Effects. Wer lässt sich solche avantgardistischen Kunstwerke auf die Haut malen? Rodel arbeitet viel für Werbekunden, hinzu kommt der nicht minder grosse Bereich des Belly Paintings, bei dem sich Schwangere ihren Bauch bemalen lassen.

«Eine lebende Leinwand ist das Schönste für mich. Sie atmet, sie bewegt sich, und mit jeder Bewegung, mit jeder Pose ändert sich das Bild. Da sind die Fischpäckli anders — die bleiben ruhig liegen», scherzt die fröhliche Bernerin und lässt sich den ersten Happen mit Fisch und Muscheln munden

www.colorup.ch

Mit wenigen Zutaten zum kulinarischen Genuss: Dorch, Muscheln, Knoblauch, Lauch, Zitrone und getrocknete Tomaten, gegart in Weisswein mit Koriander, garniert mit Peterli. Wichtig: nur geschlossene Muscheln verwenden!

 

Erschienen in MM-Ausgabe 7
13. Februar 2012

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Aufgetischt

Was haben Sie auf Vorrat?

Tomaten, Rösti, Kartoffeln, Raclettekäse, Fleur de sel, Prosecco. Dann ist das Leben gut.

Wie oft kochen Sie pro Woche?

Jeden Tag, es sei denn, mein Schätzeli lädt mich ins Restaurant ein.

Kochen ist für Sie …

… Seelenbalsam, geniessen – Essen verbindet.

Was würden Sie nie essen?

Hai, geschützte Tiere, Kutteln.

Mit wem würden Sie gern mal essen gehen?

Mit dem Selfmademan, Millionär und Buchautor Ivar Niederberger.

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