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Vom Wert der wertlosen Büez

Krank war ich, letzte Woche. Und was machen wir Hausfrauen, wenn wir krank sind? Den Haushalt. Diese Woche sind Skiferien! Und was besorgt eine Hausfrau in den Ferien? Richtig, den Haushalt: Einkauf, Wäsche, Kochen, Putzen, Handschuhe trocknen und dafür besorgt sein, dass am Morgen sämtliche Skibrillen auffindbar und die Snowboardschuhe schön aufgewärmt sind … Aber ich beklage mich nicht. Im schönsten Job der Welt, dem unseren, gibts zwar nicht vier, nicht fünf und schon gar nicht sechs Wochen Ferien, sondern gar keine. Aber die Entschädigung ist unvergleichlich: Ich verbringe wunderbare Zeit mit den Kindern.

Vermutlich müssen wir dann noch mit dem Postauto nach Ilanz in die Migros fahren. Wegen der Animanca-Steine. Leserin Susanne fand zwar, ich müsse mich darüber beschweren, dass schon wieder ein neues Sammelfieber verordnet worden sei, schränkte dann sogleich ein: «Aber das darfst du ja nicht!» Darf ich doch, liebe Susanne. Ich darf hier sehr wohl schreiben, was mich an der Migros stört. Dass mein Aprikosenjoghurt tatsächlich aus dem Sortiment gestrichen wurde. Oder dass im Februar Spargeln und Erdbeeren in der Auslage sind.

Hans führt mit neun Siegen zu einem.

Ich erwähne aber auch, was mich freut: dass manches Migros-Produkt sein eigentliches Vorbild übertrifft. Ich sage nur: Giandor. Und die neuen Blévita-Dinkelcracker mit Thymian und Meersalz — traumhaft! Nein, die Sache ist vielmehr, dass ich mich über die Sammelaktion nicht nerve. Anna Luna stöhnte zwar auch: «Nid scho wieder!», aber Hans war sofort begeistert. Und wenn du dich nun ärgerst, bei deinen Kindern «das böse Mami» sein zu müssen, weil du sie nicht mitmachen lässt, dann sei doch einfach das liebe Mami und lass sie, Susanne! Ist nämlich ein super Spiel. (Der Witz ist: Wir besassen solch ein Brettspiel mit Mulden und farbigen Steinen bereits. Es heisst bei uns Serata, Hans und ich spielen es täglich, und er gewinnt fast immer gegen mich; Stand seit Ankunft in Laax: Er führt mit neun Siegen zu einem.)

«Hans führt mit neun Siegen zu einem.»

Übrigens schrieb ich eingangs bewusst «wir Hausfrauen». Die Männer sind in diesem Job Quantité négligeable. Die neusten Zahlen haben Sie ja gelesen, oder? Männer leisten in Haushalt und Familie noch weniger als vor zehn Jahren: 16½ Stunden warens im Jahr 2000, jetzt sinds durchschnittlich noch 16. Wohingegen die Frauen 28 Wochenstunden leisten. Die Männer gehen der Partnerin höchstens bei der Buchhaltung und mit dem Schlagbohrer zur Hand, bügeln hingegen nie und erledigen kaum Wäsche. Was mich aber erschüttert: Auch die Frauen machen fast drei Stunden weniger Hausarbeit als noch vor zehn Jahren. Weil die Hausarbeit noch immer herabgemindert wird, und was scheints nichts wert ist, das tut man nicht gern. Muss ich denn ewig mein altes Lied anstimmen? Dass es nichts Wertvolleres gibt als die Hausarbeit? Nichts Besseres, als Zeit mit den Kindern zu verbringen?

Da gibts doch die Ex-Miss, die in der TV-Werbung für irgendeine Waschmaschine ihre Tochter links liegen lässt und behauptet, sie könnte «ihr», der Waschmaschine, «stundenlang zusehen». Blödsinn. Das Schöne ist nicht, einer Waschmaschine zuzuschauen, wie es die gewesene Miss und heutige Gattin eines schwerreichen Rohstoffhändlers tut. Das Schöne ist, dem eigenen Kind zuzuschauen. Wenn es nicht gerade entnervt durch die Ferienwohnung brüllt: «Tami noch mal, Vati, wo hast du jetzt schon wieder meine langen Unterhosen vernuuschet?»

Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)

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Bänz Friedli lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.
Seine Internetseite: www.derhausmann.ch
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Erschienen in MM-Ausgabe 7
13. Februar 2012

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8 Kommentare

Andrea Studer [Gast]

Geschrieben am
16. Februar 2012

Lieber Bänz Friedli. Ich danke für Ihre Ode an die Hausfrauen, da kann ich nur zustimmen. Leider wird der Beruf "Hausfrau" zu wenig geschätzt. Zugegeben, auch ich gehörte zu diesem Schlag Menschen, die deren Qualitäten zu wenig schätzt. Als Teenie und junge Frau graute mir davor, für einen zukünftigen Mann und/oder Kinder zu kochen, waschen, bügeln, putzen, etc. etc. Alles, was irgendwie im Entferntesten mit Haushalt zu tun hatte, interessierte mich nicht die Bohne und fand es Spiessertum. So verpasste ich wichtige Basics, v.a. beim Kochen. Auch als kapp 30-jährige - bereits mit Kinderwunsch - konnte ich es mir als ausgebildete Buchhalterin kaum vorstellen, wie es sein könnte, "nur" zuhause zu sein, um eben Kinder zu versorgen. Als ich knapp vier Jahre später schwanger wurde, befasste ich mich das erste Mal ernsthaft mit gesunder und abwechslungsreicher Ernährung und schickte mich darin, Haushaltsarbeiten nicht als notwendiges Übel sondern als ganz "normale" Büez anzusehen. Heute ist unser Sohn drei Jahre alt und ich bin immer noch Vollzeit-Hausfrau. Zwar arbeite ich noch ein bisschen als Buchhalterin, doch das Pensum ist vernachlässigbar. Ich kann auch sagen, dass Mutter und Hausfrau der schönste und abwechslungsreichste Job ist und ich um nichts in der Welt mit jemandem tauschen möchte. Meine Kochkünste verbessern sich laufend und seit ich weiss, dass auch meiner Schwiegermutter (sie ist eine sehr gute Köchin) ab und zu was abverheit, bin ich diesbezüglich auch etwas gelassener geworden. Und bisher haben nämlich meine beiden Männer das vorgesetzte Essen gut verdaut.
Und zum Schluss noch das Wichtigste: Es gibt nichts Schöneres, als ein Kind beim Grosswerden zu begleiten. Für mich ist dies eine unbezahlbare Bereicherung, die ich nie mehr missen möchte!

Sue Lissa [Gast]

Geschrieben am
14. Februar 2012

Kurz vor Weihnachten musste ich nach einem schwerenTreppensturz zum Notarzt. Aus versicherungstechnischen Gründen erkundigte sich das nette "Fräulein" (auch das gibt es noch) am Empfang nach meinem Arbeitgeber. Ich antwortete: "ich habe keinen, ich bin Hausfrau". Das Fräulein fragte: Ja, sind Sie dänn arbeitslos?" "Nein" antwortete ich, "ich bin Mutter und Hausfrau".
Das Fräulein meinte: "Ja, giits dänn das na hützutags? Dänn schaffed sie also glich nüt." In diesem Moment schämte ich mich und fühlte mich wie ein nutzloser Schmarotzer... Ich bin sicher, viele "Hausfrauen" suchen einen Job, damit sie "gesellschaftlich" besser dastehen.

 

Gretchen Nelson [Gast]

Geschrieben am
14. Februar 2012

¦Liebe Sue Lissa

Lass dich nur nicht verunsichern von solchen Menschen! Manche Leute sind einfach nur dumm und gedankenlos und haben schlicht keine Ahnung, was eine Hausfrau und Mutter so alles leistet. Nur weil wir nichts verdienen, heisst das noch lange nicht, dass wir nichts tun. Kinder auf- und erziehen ist eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Ausserdem kümmern wir uns nicht nur um unsere eigene Familie, sondern helfen dem betagten Nachbarn beim Umzug, besorgen die Wäsche von kranken Verwandten, hüten „fremde“ Kinder, bekochen Alleinstehende, fahren mit älteren Menschen zum Arzt und kaufen für sie ein und noch so vieles mehr. Und das alles natürlich ohne Lohn. Wir Hausfrauen sind ganz bestimmt nicht nutzlos, sondern schlicht und einfach UNBEZAHLBAR!

 

Der Hausmann [Gast]

Geschrieben am
14. Februar 2012

Nein, nein, nein, besagte Empfangsdame hätte sich schämen müssen!! Das nächste Mal unbedingt darauf beharren, dass sie ins Feld «Beruf» HAUSFRAU einträgt.
Wobei, als ich mal um 11 Uhr nach einem ambulanten Eingriff aus dem Spital entlassen wurde und der Arzt mich 100% arbeitsunfähig schrieb, musste ich ihm auch klarmachen, dass das ja schön töne, aber ich müsse jetzt heim den Kindern Zmittag kochen gehen … Von wegen «arbeitslos». Was für eine Frechheit dieses «Fräuleins»!

Boss Hazel [Gast]

Geschrieben am
13. Februar 2012

¦Irgend etwas mache ich glaubs falsch?! Die Buchhaltung erledige ich und auch die Bohrmaschine liegt mir gut in der Hand. Und als ich einmal aus gesundheitlichen Gründen die Bügelarbeit meinem Gatten überlassen und ihm vom Sofa aus Anweisungen erteilen musste, bin ich fast verzweifelt ob seiner Ungeschicktheit. Dafür macht er viele andere nützliche und liebe Dinge für die Kinder und mich. Wenn ich morgens aus der Dusche steige, finde ich jetzt, wo’s so kalt ist, immer ein angewärmtes Badtüechli am Heizungsradiator! Es sind genau solche Gesten, die mich die unangenehmen Seiten des Hausfrauendaseins vergessen lassen…

 

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